Chronik der Schützengesellschaft Hermannsburg

(c) Peter Vogel **Originaltext von 1996**

Vorwort und Dank

Rechtzeitig zum 75. Geburtstag der Schützengesellschaft Hermannsburg kann nun diese Chronik vorgelegt werden.
Es ist mehr geworden als eine Chronik, sofern man darunter nur eine nach Jahren geordnete Aufstellung von Ereignissen und Namen versteht.
Es ist auch mehr geworden als eine Festschrift, die nur auf ein bestimmtes Jubiläum zugeschnitten ist.

Es ist in manchen Kapiteln vielleicht sogar eine heimatgeschichtliche Arbeit geworden, wenn auch kein trockenes wissenschaftliches Elaborat,
das in allen Teilen mit Quellen belegt und exakt nachprüfbar wäre. Auf jeden Fall ist es lesbar geworden und interessant auch für einen
größeren Leserkreis als nur die Hermannsburger Schützen.
Diese Chronik – nennen wir es mal so – hätte schon früher geschrieben werden sollen. Zumindest zu einer Zeit, da noch Augenzeugen aus
den Gründungsjahren lebten. An Anregungen dazu hat es nicht gefehlt, das geht aus den alten Protokollen hervor.

Diese Protokolle von Schützenversammlungen sind seit der Gründung des Vereins fast vollzählig überliefert. Bei der Entzifferung dieser
besonders in den Anfangsjahren häufig mit einem stumpfen Bleistift in Sütterlinschrift zu Papier gebrachten Protokolle stellte sich dann
allerdings heraus, daß sie für die vorliegende Arbeit nur ein Gerüst sein konnten, ein Skelett ohne Fleisch, Haut und Haaren. Trotz einer
stellenweise vorhandenen Langatmigkeit waren die echten Informationen dürftig.

Um nun also aus diesem "Skelett" ein Wesen aus Fleisch und Blut zu machen, mußten andere Quellen angezapft werden. Das erforderte für
die erste Lebenshälfte des Vereins viel Fragen, Geduld und Spürsinn. An vielen Ereignissen aus der zweiten Lebenshälfte war ich dann
allerdings selbst beteiligt, gestaltend oder zuschauend.

Viele haben mir geholfen.
Es ist unmöglich, alle zu nennen.
Entscheidende Hilfe allerdings leistete die Cellesche Zeitung mit ihrem Archiv, in dem ich die Berichte über alle Schützenfeste
von 1922 bis 1938 fand und kopieren durfte. Dabei hat Frau Sybille Zang- Scheibel als Archivarin mit Rat und Tat geholfen. Ohne diese
Quelle bei unserer Heimatzeitung wäre wohl kaum etwas zustandegekommen!
Eine weitere Quelle sprudelte im Archiv des Landkreises Celle, das Herr Rainer Voß verwaltet. Auch ihm bin ich zu Dank verpflichtet
für die Suche nach vielen wertvollen alten Dokumenten.
Erwähnt werden muß auch Herr Karl Heitmann aus Bergen, in dessen heimatgeschichtlicher Sammlung eine weitere ergiebige Quelle sprudelte.
Herr Heitmann hat u.a. die regionalen Mitteilungsblätter aus dem nördlichen Landkreis ausgewertet und mir alles zukommen lassen, was die
Hermannsburger Schützen betraf.

Die Tabellen mit den Schießergebnissen habe ich nach den privaten Aufzeichnungen zweier Meisterschützen zusammengestellt, deren Namen
dort häufig auftauchen: Frau Erika Maag- Brammer und Dr. Veit Georg Schmidt.
Die älteren Bilder stammen überwiegend aus dem Besitz von Schützenbrüdern. Die neueren kommen aus dem Fotohaus Deutgen in Hermannsburg,
nachdem Frau Solveigh Deutgen das Amt ihres Vaters als Hof- Fotograf der Schützen übernommen hat.

Allen Helfern sage ich hiermit herzlichen Dank!

Mir selbst hat diese Arbeit Freude gemacht. Ich betrachte sie nun allerdings nicht für abgeschlossen mit dieser Veröffentlichung.
Ich rechne sogar damit, daß bei diesem oder jenem Leser Erinnerungen geweckt werden, daß alte Bilder oder Schriftstücke auftauchen,
die es wert sind, überliefert zu werden.

Auch Ergänzungen und Richtigstellungen sind willkommen, nobody is perfect ! Einen ganz besonderen Dank sage ich allen Vereinsmitgliedern,
die als Sponsoren den Druck der Chronik ermöglichten.

Peter Vogel

Zur Person:
seit 1957 in Hermannsburg ansässig,
seit 1963 Mitglied der Schützengesellschaft,
von 1968 bis 1989 zweiter Vorsitzender,
seitdem im Schafferrat als Schriftführer,
Im Juli 2011 leider verstorben

Die Gründerjahre

Der 6. Juli 1921 ist das Gründungsdatum der Schützengesellschaft Hermannsburg. Es ist "urkundlich" belegt, und zwar durch eine
Niederschrift auf der ersten Seite eines dicken Buches, in das hinfort von jeder Versammlung ein Protokoll eingetragen wurde.
Es sei im Wortlaut wiedergegeben:

Hermannsburg, den 6. Juli 1921

Sitzung betreffs Gründung eines Schützenvereins
Es sind anwesend die Herren: Riechers, Möller, Heinrich Lüth, Hermann Thies, Karl Albers, Th. Babatz, Albert Ehlers, Tierarzt Niebuhr,
Thiele, Otto Hiestermann, Schröder, Schwenker, Karl Hiestermann, Sasse/Lutterloh.
Wahl eines provisorischen Vorsitzenden durch Zuruf.
Provisorischer Vorsitzender: Otto August Riechers
Provisorischer Vorsitzender: Heinrich Möller
Provisorischer Schriftführer: Karl Hiestermann
1. Provisorischer Vorsitzender Riechers läßt sich die Statuten des Schützenvereins Hannover schicken, anhand dessen die Statuten des
Schützenvereins Hermannsburg festzulegen, dieselben in der einberufenen Versammlung vorzulegen.
Zweck. Der Zweck unseres Vereins Hermannsburg und Umg. ist, den Schießsport gründlich zu erlernen. Auch soll es unser Bestreben sein,
unsere Jugend, wie vom Reichsministerium empfohlen, mit jedem Sport bekanntzumachen.
Der Scheibenstand ist dem prov. Vorsitzenden Riechers durch Herrn H. Hiestermann (Brandsbur) zugesichert worden. Auch die Scheibenbüchse
von Herrn Th. Babatz ist dem Verein zugesichert worden. Politisch- parteiische Zwecke werden in dem Verein nicht verfolgt!
2. Versammlung am 20. Juli 1921 abends 7 Uhr. Eingeladen: Pastor Prenzler, Sup. Ehlers, Pastor Werner, Pastor Kiehne.
Die erste Versammlung wurde um 11,15 Uhr von dem prov. Vors. Riechers zu aller Zufriedenheit der Anwesenden geschlossen.

V.u.g. gez. Otto August Riechers

Was waren das für Männer, die hier zusammengewürfelt und teilweise ohne Vornamen und Beruf genannt sind?
Otto August Riechers war Gastwirt in Völkers Hotel.
Heinrich Möller war Friseur und hatten seinen "Salon" in der Celler Straße, heute die Gaststätte Zur alten Schmiede. Er hörte
auf den Spitznamen Sebenheini. (Sebe = Seife)
Heinrich Lüth war Lehrer in Lutterloh. (Es gab dort bis 1962 eine einklassige Schule, die die Kinder aus Lutterloh, Theerhof,
Schröderhof, Wiechel und Queloh besuchten.)
Theerhof, Schröderhof, Wiechel und Queloh besuchten.)
Hermann Thies war der Wirt im Gasthaus Heidehof.
Karl Albers war Viehhändler und wohnte im Gerichtsweg.
Theo Babatz hatte eine Manufakturwarengeschäft (Textilgeschäft) in der Billingstraße, heute eine Gaststätte.
Albert Ehlers war Schmied an der Ecke Celler Straße – Billingstraße, noch heute "Ehlers Ecke" genannt.
Tierarzt Dr. Kurt Niebuhr war als "Dr. Vierfuß" stadtbekannt.
Willi Thiele war der Verwalter in der Molkerei, die früher in dem Hause Celler Straße 6 war.
Otto Hiestermann war Hofbesitzer und Gastwirt in Lutterloh.
Heinrich Schröder kam ebenfalls aus Lutterloh. Er war von Beruf Zimmermann und nebenbei Jagdaufseher.
Wilhelm Schwenker war auf dem jetzigen Meyer`schen Hof in Lutterloh zunächst Verwalter für den Besitzer Reinhold, dann Pächter.
Karl Hiestermann war der Bruder von Otto H. und von Beruf Lehrer.
Fritz Sasse war zunächst Landarbeiter auf dem Hiestermann`schen Hof, danach Privatförster und Jagdaufseher und Eigentümer einer
Silberfuchsfarm in Lutterloh.
Nur 14 Tage später war schon die zweite Versammlung des neu gegründeten Vereins. Da wurden weitere 17 neue Mitglieder aufgenommen.
Unter ihnen waren: Schneidermeister Wilhelm Kruse, Schuhmachermeister Bruno Hermsdorf, Uhrmacher Otto Ritter, Klempner Erich Ahrens,
Willi Wittmann (Schlosserei und Fahrradhandel), Wilhelm Kaiser (Obst und Gemüse), Förster Kurt Hinze, Postschaffner August Renner,
Fuhrunternehmer Ernst Schubert usw.
Und die Satzung war offensichtlich auch schon fertig, jetzt fehlte nur noch der ordnungsgemäß gewählte Vorstand.
Vorsitzender mit dem Titel Oberschützenmeister wurde Förster Hinze,
sein Stellvertreter mit dem Titel Schützenmeister Otto Hiestermann.
1. Schriftführer wurde Bruno Hermsdorf, 2. Schriftführer Heinrich Möller.
Otto Ritter und Hermann Thies waren die Schatzmeister.
Die 3 Beisitzer waren Dr. Niebuhr, Fritz Sasse und Bauer Heinrich Winterhoff.

Leider ist die Satzung von 1921 verschollen, sodaß man nicht mehr feststellen kann, wer von den Herren den Verein nach außen
vertreten durfte. Diese 9 Männer sind jedenfalls als Vorstand der Schützengesellschaft beim Amtsgericht in Bergen vermerkt, wo der
Verein am 16.3.1922 unter Nr. 12 in das Vereinsregister eingetragen wurde und sich somit e.V. nennen durfte.

Nachdem dem Leser nun schon so viele "Männer der ersten Stunde" vorgestellt sind, ist eine Beurteilung interessant, die der
Hermannsburger Gemeindevorsteher Georg Dehning in einem Brief an den Landrat in Celle dazu abgab: "Es sind einige Leute,
hier noch nicht länger ansässig, mit den hiesigen Ortsverhältnissen wenig vertraut und im öffentlichen Leben von Hermannsburg
ohne Bedeutung!"
Sicher kamen einige der Gründungsmitglieder aus Lutterloh – Gemeinde Weesen – und konnten bei enger Auslegung vielleicht als
ortsfremd bezeichnet werden. Aber schließlich gehörte auch Lutterloh zum Kirchspiel Hermannsburg, und es gab vielfältige
Beziehungen zwischen den Orten. Die Worte des Gemeindevorstehers sprechen nicht gerade von großer Wertschätzung für den Verein!
Und damit stand er nicht allein!
Bemerkenswert in dem Gründungsprotokoll ist da Punkt 6. Schon zur zweiten Versammlung des neuen Vereins werden die Vertreter
der örtlichen Kirchen eingeladen. Die ausgestreckte Hand ist nicht zu übersehen, der Versuch, mit den Kirchen zu einem
gutnachbarlichen Verhältnis zu kommen.
Wir müssen nun der Geschichte etwas vorgreifen.
Die eingeladenen Pastoren kamen nicht zur nächsten Versammlung. Sie kamen erst ein Jahr später, und sie machten aus ihrer
ablehnenden Haltung dem Schützenverein gegenüber kein Hehl.
Die Gründungsjahre sind überschattet durch offen ausgetragene Feindseligkeiten zwischen dem Schützenverein und den Kirchen.
Es dauerte lange, bis die Kirchen dem Schützenverein seinen Platz im dörflichen Leben zubilligten und das Recht, die Freizeit
der Bürger mitzugestalten.
Bei dem heute herrschenden guten Einvernehmen kann man sich kaum vorstellen, daß das mal anders war.
Doch kehren wir zu dem chronologischen Ablauf der Ereignisse zurück. Zunächst sah es tatsächlich so aus, als habe man in
Hermannsburg nur darauf gewartet, daß ein Schützenverein gegründet würde. Der Zulauf an Mitgliedern muß wohl den Vorstand
veranlaßt haben, die Zukunft des Vereins etwas zu optimistisch zu sehen. Er ließ sich ermächtigen, mit der Mannheimer
Versicherung über eine Haftpflichtversicherung für 100 Mann zu verhandeln. Man einigte sich dann aber doch erstmal bei 60 Schützen.
Das zeigt, daß der Schießbetrieb offensichtlich schon gut angelaufen war. Nachdem die ersten Schießübungen wohl noch recht
primitiv mit einer geliehenen Büchse auf dem Hof von Heinrich Hiestermann stattgefunden hatten, verfügte der Verein schon
4 Wochen nach der Gründung über vier Gewehre. Diese Vorderlader gehörten den Herren Ritter, Babatz, Thies und Riechers.
Dazu hatte man 300 Patronenhülsen, die dem Zeugmeister Kruse in Verwahrung gegeben wurden. Der kriegte für das Laden der Patronen
25 Pfennig das Stück und für das Laden der Büchsen 25 Mark für den halben Tag. Geschossen wurde irgendwo im Freien, in Lutterloh,
in Misselhorn oder im Sunder. Natürlich war das unbefriedigend, und der Verein war auf der Suche nach einem Grundstück für einen
ordentlichen Schießstand. In Hermannsburg stieß er aus den erwähnten Gründen überall auf taube Ohren.
In dieser Situation machte der Hofbesitzer Heinrich Penzhorn in Misselhorn den Schützen das Angebot, auf seinem Grund und Boden Platz
für einen Schießstand und ein Schützenhaus zur Verfügung zu stellen.
Der Weg nach Misselhorn war zwar weit. Auf der anderen Seite aber hatte dieser Standort den Vorteil, daß man in der Gemeinde Weesen
dem "Machtbereich" des Hermannsburger Gemeindevorstehers entzogen war.

Woher kam nun das Geld, um das sich 2 Schatzmeister kümmern sollten? Jedes Mitglied zahlte ein Eintrittsgeld von 20 Mark und einen
Jahresbeitrag von 24 Mark. Außerdem ging bei jeder Versammlung ein Hut herum. Die Sammelergebnisse sind oft in den Protokollen
vermerkt, mal 72 Mark, mal 68 Mark usw. Sachspenden wurden natürlich auch gerne genommen und manchmal lobend erwähnt:
"Zellstoff für die Scheiben von Ssymank und Sackleinen von Otto Hiestermann."
Riechers kaufte einen Zimmerstutzen und stellte ihn dem Verein zur Verfügung für eine Leihgebühr von 1 Mark pro Mann. Mit diesem
Zimmerstutzen konnte man überall schießen, sogar auf der Kegelbahn des Gasthauses Heidehof.

Mit den größeren Kalibern gingen die Schützen dann nach Misselhorn, so auch mit der neu angeschafften Wehrmannsbüchse, einem
Militärgewehr also. Damit wurde auf eine Entfernung von 175m auf eine 20er Ringscheibe geschossen. Die Schießbahn lief vom Stand
aus parallel zur Straße Hermannsburg- Unterlüß in den Wald hinein und hatte am Ende eine primitive Anzeigerdeckung mit einem Erdwall.
Im März 1924 gab Herr Penzhorn die Genehmigung zum Bau eines Schießhauses. Dieses Holzhaus, das heute noch hinter dem Gasthaus Zur
Heidschnucke in Misselhorn steht, ist das Ergebnis von vielen Stunden Arbeit der Schützen und Spenden. Es muß in Rekordzeit
fertiggeworden sein, denn schon zum Schützenfest Ende Juli 1924 steht es in voller Schönheit als Kulisse auf der Gruppenaufnahme des Vereins
. Kann man sich einen Schützenverein ohne König und ohne Schützenfest vorstellen?
So plante also die Schützengesellschaft für die ersten Julitage des Jahres 1922 das erste Schützenfest in Hermannsburg und Misselhorn.
Es sollte wirklich ein großes Fest werden, ein Paukenschlag sozusagen, ein tolles Debüt.
Infolgedessen wurde bald der halbe Verein für die Vorbereitungen mobilisiert. Es gab einen Festausschuß, eine Schießkommission,
ein Empfangskomitee und sonstige Posten. Die Liste der eingeladenen Vereine gibt einen interessanten Einblick in das Vereinsleben
in jenen Jahren.
Aus Hermannsburg selbst sollten kommen: zwei Kriegervereine, beide Turnvereine, der Radfahrerverein und der Gesangverein,
dazu der Radfahrerverein aus Baven, zwei Kriegervereine aus Müden, Turnverein und Gesangverein Oldendorf, ferner zwei Vereine
aus Unterlüß, drei aus Eschede, vier aus Eversen, vier aus Sülze, die Feuerwehren aus Beckedorf und Wohlde und aus Bergen "alles",
was immer das heißen mag.

Das Empfangskomitee hätte alle Hände voll zu tun gehabt, wenn ... ja, wenn nichts dazwischengekommen wäre. Und dabei überstürzten
sich die Ereignisse geradezu.

Keine 4 Wochen vor dem geplanten Schützenfesttermin schrieb der Hermannsburger Gemeindevorsteher Dehning an den Landrat in Celle
jenen schon erwähnten Brief: " Das Vorhaben dieser paar Leute ( eben ein Schützenfest zu feiern -) findet nicht die Billigung der
Einwohnerschaft. Sollten die Leute einen Umzug durch den Ort beantragen, so bitte ich, die Genehmigung nicht zu erteilen!" Gegen
das eigentliche Schützenfest in Misselhorn konnte er nicht angehen, da es in der Gemeinde Weesen stattfinden sollte. Er konnte
rechtlich nur gegen einen Umzug in Hermannsburg etwas unternehmen.
Da waren die Pastoren nicht so zimperlich!
Das Protokoll der Versammlung vom 16. Juni 1922 ist kurz und läßt die Dramatik nur ahnen.
Die Generalversammlung wurde um 8 1/2 Uhr eröffnet.
Ansprache des Vorsitzenden Herrn Hinze, danach Ausführung der vier Geistlichen.
Diese führten kirchliche Bedenken ins Feld und wiesen auf die Entnervung der Jugend durch Alkohol und Tanz hin.
Der Vertreter der Mission stellte auch Gegenmaßnahmen der Missionsschulen in Aussicht.
Aus der Versammlung konnten die treffenden Ausführungen nicht entkräftet werden.
Die öffentliche Aussprache wurde um 10 Uhr geschlossen.
Vereinsseitig waren anwesend:*
(es folgen die Namen von 33 Schützenbrüdern)

Für den Fall, daß der eine oder andere Schütze bei dieser offenen Konfrontation nun doch kalte Füße bekommen hatte, heißt es
im übernächsten Satz des Protokolls: "Wer den Schützenausmarsch ohne triftigen nachgewiesenen Grund nicht mitmacht, ist aus
dem Verein ausgeschlossen!"
Dann trifft die Antwort des Landrats ein. Er will das Fest nur genehmigen, wenn es ein echtes Volksfest ist,
das auch bisher schon in althergebrachter Weise gefeiert wurde. Das können die Schützen natürlich nicht nachweisen und
beschweren sich beim Regierungspräsidenten in Lüneburg.
Die Beschwerde hat Erfolg, der Landrat ist vergrätzt, genehmigt aber das Fest ausnahmsweise und "lediglich mit Rücksicht
darauf, daß seitens des Vereins alle Vorbereitungen getroffen sind, und um die Vereinsmitglieder vor großem pekuniären Schaden
zu bewahren." Drei Tage vor dem Fest beschließen die Schützen, den Ausmarsch fallenzulassen! Die Pastoren verfassen eine
gemeinsame Erklärung, mit der sie "im Namen der Kirchenvorstände, als Freunde des Vaterlandes, als Christen und als Hermannsburger"
vor der Teilnahme am Schützenfest warnen. Diese Erklärung wird von allen drei Kanzeln in Hermannsburg verlesen!
Wobei man wissen muß, daß es in Hermannsburg neben der Landeskirche noch zwei ev.- luth. Freikirchen gibt.
Das Schützenfest 1922 fand dann aber doch – weit weg – in Misselhorn statt. Erster Schützenkönig des jungen Vereins wurde
Fahrradhändler Willi Wittmann. Er bekam einen schönen Orden und eine Königsscheibe, an der folgende Geschichte hängt:

Willi Wittmann wohnte zur Miete in der Billingstraße im Hause Eilers und hatte dort auf dem Hof eine kleine Werkstatt.
Der Hausbesitzer wollten ihm aber nicht erlauben, die Königsscheibe an der Vorderfront des Hauses anzubringen. Voll Grimm
hängte Wittmann die Scheibe über die Tür seiner Werkstatt und sagte: "Dann baue ich mir eben selber ein Haus!" Das tat er
dann auch. Das Haus steht Billingstraße 50.
Das Jahr 1923 hatte gerade angefangen, da planten die Schützen schon das neue Schützenfest und setzten ein 10köpfiges
Festkomitee ein. Ab da wird es schwierig, sich aus den Protokollen ein Bild der Ereignisse zu machen. Es werden Beschlüsse gefaßt
und wieder rückgängig gemacht, es werden Pläne gemacht und wieder verworfen. Mal soll ein Schützenfest gefeiert werden, mal soll
nur ein Preisschießen veranstaltet werden.
Es sieht so aus, als seien die Schützen selbst uneinig gewesen und als ahnten sie, daß sich dunkle Wolken über ihnen zusammenzogen.
Aus diesen dunklen Wolken zuckte dann auch tatsächlich ein Blitz in Form eines Briefes der Hermannsburger Kirchenvertreter an den
Landrat Heinichen in Celle. Da heißt es wörtlich: Alle Ernstgesinnten im hiesigen Umkreis sind entrüstet, daß man in dieser für
unser Vaterland so namenlos schweren Zeit ein solch rauschendes Fest feiern will. Auch die einsichtigen Mitglieder der
Schützengesellschaft waren dagegen, sind aber von junger vergnügungssüchtiger Majorität überstimmt worden.
Daher bitten wir Unterzeichnete, die landrätliche Erlaubnis für ein Schützenfest zu versagen. Wir würden uns sonst genötigt
sehen, eine Protestversammlung einzuberufen, da wir unter keinen Umständen der Abhaltung eines Schützenfestes ruhig zusehen werden!

Die Unterzeichneten waren die Pastoren Ehlers, Werner und Dr. Prenzler und für die Missionsanstalt Georg Haccius.
Dieser Brief lag schon 4 Wochen auf dem Landratsamt, da kam überhaupt erst der offizielle Antrag des Schützenvereins auf
Genehmigung des Festes. Das Programm dieses Festes war arg zusammengestrichen worden und stellte sicher den Versuch eines
Kompromisses dar. Unterschrieben vom damaligen Vorsitzenden Hofbesitzer Heinrich Hiestermann sah die Festfolge für Sonntag,
den 13. August 1923 so aus:
Morgens 6 Uhr Ausmarsch nach Misselhorn zum Schießen, um 9 Uhr Rückmarsch zum Vereinslokal, dann den hiesigen kirchlichen
Verhältnissen entsprechend bis 3 1/2 Uhr Pause, hierauf Ausmarsch zum Königsschießen und Beginn des Tanzes im Zelt auf dem Hof
des Vereinswirts.
Nun kam dem Landrat sicher höchst gelegen, daß wenige Tage vorher alle Versammlungen unter freiem Himmel einschließlich aller
Umzüge durch einen Erlaß des Preußischen Minister des Inneren verboten worden waren. Einen besseren Grund, das Schützenfest
zu verbieten, konnte er gar nicht finden.
Er konnte es sich aber nicht verkneifen, in einem Nachsatz darauf hinzuweisen, daß der Verlauf des Festes im vorigen Jahr (1922)
den Beweis geliefert habe, daß es kein Volksfest war.
Das hätte er nicht tun sollen! Denn dagegen legte die Schützen wieder beim Regierungspräsidenten Beschwerde ein.
Der aber saß in Lüneburg weitab vom Schuß und forderte, um entscheiden zu können, nun Augenzeugenberichte aus Hermannsburg an.
Und zwar mit der Überschrift: Eilt sehr! Frist 3 Tage! Inzwischen war aber der ins Auge gefaßte Schützenfesttermin schon verstrichen.
Am 15. August 1923 berichtete der Gemeindevorsteher Dehning dann in einem 3 Seiten langen, in akkurater deutscher Schrift
verfaßten Brief an den Landrat zur Weiterleitung nach Lüneburg.
Die verzierten und verschachtelten "behördendeutschen" Sätze ranken sich um folgende Kernpunkte:
Es bestand kein Anlaß zur Gründung eines Schützenvereins in Hermannsburg, da das Bedürfnis, die Schießkunst zu üben,
durch 2 große Kriegervereine befriedigt wurde.

Der Schützenverein erfreut sich keines besonderen Ansehens.
Die Beteiligung der Bevölkerung an dem vorjährigen Versuch eines Schützenfestes war ganz kläglich.
Der Schützenverein hat keinen Rückhalt in der Bevölkerung.
Von einem Volksfest kann man nicht im geringsten sprechen.
Das Verbot des Schützenfestes ist hier allgemein freudig begrüßt worden.
Um diese Angaben richtig einordnen zu können, muß man hinzufügen, daß Georg Dehning nicht nur Gemeindevorsteher war,
sondern auch Kirchenvorsteher der Großen Kreuzgemeinde und Mitglied des Missionsausschusses.
Der Landrat leitete diesen Bericht nach Lüneburg weiter und verteidigte sein Verbot des Schützenfestes. Dabei nahm er es
dem Verein wirklich sehr übel, daß der nun schon zweimal gegen seine Anordnungen auf dem Beschwerdewege angegangen war,
das zweite Mal sogar mit Hilfe eines Rechtsanwalts.
Es blieb bei dem Verbot, das Schützenfest 1923 durfte nicht stattfinden.
Aber irgendwie muß es doch über die Bühne gegangen sein, wenn auch ohne Umzug, sozusagen unter Ausschluß der Öffentlichkeit.
Es wurde auch ein König ausgeschossen. Albert Ehlers errang die Würde.
Und es entstand das erste Gruppenbild des Vereins, das überliefert ist.
Beim Betrachten dieses und auch der Bilder aus den folgenden Jahren drängt sich geradezu der Vergleich mit Familienfotos auf.
Es war tatsächlich eine große Familie, die da zusammenkam. Die Anfeindungen in Hermannsburg, das Exil in Misselhorn...
das schweißte zusammen.
Der Leser wird jetzt unschwer erraten können, was 1924 passierte.
Es liegen wieder zwei Briefe vom Gemeindevorsteher an den Landrat in den Akten, in denen dringend darum gebeten wird,
keine Genehmigung zu einem Schützenfest zu erteilen.
Begründung wie bisher: Die Bevölkerung lehnt ein solches Fest ab, findet es unschicklich und nimmt daran Anstoß.
Diesmal aber mögen dem Landrat wohl Bedenken gekommen sein ob dieser penetranten Ablehnung. Denn jetzt forderte er von
Oberlandjäger Riekmann – der örtlichen Polizeibehörde also – einen Bericht an.
In dem heißt es dann unter anderem wörtlich: Soweit festgestellt werden konnte, ist der Einspruch hauptsächlich von der
Geistlichkeit, sowie von den Kirchenvorstehern und nicht von der Allgemeinheit erfolgt. Es ist eigentlich nicht recht
verständlich, warum man gerade gegen die Abhaltung eines Schützenfestes, welches doch überall als Volksfest gefeiert wird,
Einspruch erhebt. Der Schützenverein will durchaus nicht störend auf die kirchlichen Verhältnisse einwirken. So soll zum
Beispiel der übliche Umzug unterbleiben. Der Verein will nur direkt vom Vereinslokal nach Misselhorn zum Festplatz marschieren.
In Hermannsburg selbst würde somit kaum etwas von dem ganzen Schützenfest zu merken sein.
Dafür war in Misselhorn um so mehr vom Schützenfest zu merken. Aber es ist wohl noch verfrüht, schon von einem Volksfest zu sprechen.
Das Programm zog sich über 2 Tage hin und sah folgendermaßen aus:
1. Tag = Sonntag (es war der 27. Juli), 15 Uhr Antreten vor dem Vereinslokal Völkers Hotel zum Ausmarsch nach Misselhorn.
Die Teilnahme war Pflicht. Drückeberger sollten vom Königsschießen ausgeschlossen werden!
Der Rest des Tages ging hin mit Volkspreisschießen und Tanz in der Scheune. Herren zahlten 2 Mark Tanzgeld, Damen 1 Mark.
Den besten Schützen winkten Geldpreise. Es waren 6 Preise im Gesamtwert von 40 Mark, gestaffelt von 15 Mark als erster
Preis an abwärts. 2. Tag = Montag, 11 Uhr Antreten und Abmarsch mit Musik nach Misselhorn, wo um 12 Uhr das Essen stattfand.
Es gab Suppe, Schweine- und Schmorbraten mit Beilagen für 1,50 Mark!
Der Festwirt hieß Kohlmeyer. Er mußte für die Musik 300 Mark und freie Verpflegung stellen.
Nach dem Essen war für die Vereinsmitglieder Preisschießen und Königsschießen. Dann die Proklamation des neuen Königs und die
Preisverteilung. Der König , es war Zahnarzt Kurt Giemenz, bekam 20 Mark Handgeld und als erster König die neue Kette, die der
Verein kurz vorher für 186 Mark angeschafft hatte. Diese Kette trägt heute noch jeder Schützenkönig. An ihr hängen silberne
Wappenschildchen mit den Namen aller Könige seit dieser ersten Verleihung. Abends war wieder Tanz, diesmal zum
verbilligten Tarif: Herren 1,50 Mark und Damen 50 Pfennig.

Bald die Hälfte des Vereins war in irgendeiner Weise mit Planung und Organisation beschäftigt. Es gab Kommissionen für den
Preiseinkauf, das Schießen, das Tanzen und das Kassieren.
Letzteres war nicht gerade das Unwichtigste. Denn der Verein lebte nicht nur von den Mitgliedsbeiträgen. Der Verein hatte
um jene Zeit etwa 70 Mitglieder, jeder zahlte 1 Mark im Vierteljahr. Dieser Beitrag blieb 13 Jahre lang stabil und wurde
dann auf 1,50 Mark im Quartal erhöht!
Da mußte also schon beim Schützenfest nach Abzug aller Kosten was übrigbleiben. Hofbesitzer Penzhorn bekam immerhin
100 Mark im Jahr als Pacht für die Scheune und den Platz für die Buden und Stände.
So wurden die Feste meistens an den höchstbietenden Gastwirt verpachtet. 1925 zahlte Dietrich Kuhlmann z.B. dafür 430 Mark
an den Verein.
1926 richtete Albert Ehlers das Fest aus und zahlte 400 Mark, 1927 war wieder Kuhlmann dran, zahlte 150 Mark, stellte aber
noch 8 Mann Musik mit freier Verpflegung. Vielleicht ist auch manchmal beim Preisschießen oder den Eintrittsgeldern was
übriggeblieben.
Oberlandjäger Riekmann berichtete später dem Landrat: Das Schützenfest ist ruhig verlaufen und war an beiden Tagen gut besucht.
Im Jahre 1926 kam es dann noch einmal zu einer Intervention der Kirchen gegen das Schützenfest.
In einem gemeinsamen Brief wandten sich der Superintendent und die Pastoren der 3 Kirchengemeinden an den Landrat:
"Ein großer Teil der Bevölkerung nimmt an derartigen Festen Anstoß, da sie dem Hermannsburger Geist und der von Louis Harms
überkommenen Tradition nicht entsprechen. Wir haben nichts gegen das Wettschießen, wohl aber gegen die sich anschließende
Festlichkeit, zumal wenn der Sonntag dadurch gestört wird." Folglich baten sie darum, wenn es schon nicht möglich sei das ganze
Fest, so doch wenigstens den Umzug zu verbieten. In Hermannsburg fand nämlich am 11.7.1926 auch eine Tagung des Ev.-luth.
Schulvereins statt , und sie befürchteten eine Störung des Gottesdienstes, wie es im vorigen Jahr vorgekommen war. Das bestätigte
auch der Gemeindevorsteher.
Der Schützenverein verpflichtete sich bei Gendarm Riekmann, an allen Kirchen still und ohne Musik vorbeizumarschieren. So geschah es auch.
Damit soll dieses Kapitel in der Chronik abgeschlossen werden.
Man lernte in Hermannsburg mit der Zeit, miteinander zu leben und sich gegenseitig zu respektieren. Aber auch in der großen Politik
ist es manchmal ein weiter Weg vom Waffenstillstand über einen Friedensvertrag bis zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen und der
Entsendung von Botschaftern. Diese Entwicklung war auch hier vorgezeichnet, selbst wenn es noch 35 Jahre dauern sollte, bis
ein Pastor der Landeskirche die Einladung zum Schützenfest spontan annahm und dabeisein wollte, wenn seine Gemeindeglieder feiern.
Man solle dankbar sein, sagte er, daß es so ein Volksfest gebe, das zum Charakter und zum Wesen heimattreuer niedersächsischer
Menschen paßt, zum ihrem Deutschsein und Christsein! (Ulrich Reymann, 1961)

Schützenfeste und Vereinsleben 1927 bis 1933

Aus der Reihe der Schützenfeste können wir 1927 als bemerkenswert bezeichnen. Da wurde die erste Vereinsfahne geweiht.
Es existiert ein Bild von diesem festlichen Ereignis. Es zeigt die vor Völkers Hotel angetretenen Schützen, die Gastvereine
und Ehrengäste. Auf den Stufen vor dem Hoteleingang Major von der Gröben und vor ihm zwei Fahnengruppen.

Diese Fahne war dem Verein im April übergeben worden als " von einem ungenannten Spender gestiftet"! Laut Protokollnotiz wurde
dem Anonymus ein dreifaches Horrido ausgebracht.
Aber dann kam es wohl doch zu einem großen Rätselraten und zu versteckten Hinweisen auf den Spender. Jedenfalls wurde noch auf
derselben Versammlung das Geheimnis gelüftet.
Das Protokoll hat einen Zusatz:" Die Fahne wurde nicht durch Otto Hiestermann alleine gestiftet, sondern auch von den
Schützenbrüdern Heinrich Hiestermann (Brandsbur) , dem ehemaligen König Hohmann und Ernst Hiestermann."
Diese Fahne ist dem Verein vorangetragen worden in guten und schlechten Zeiten. Sie hat lustig geflattert bei klingendem
Spiel der Musik im Schützenumzug, und sie hat sich gesenkt über den Gräbern verstorbener Schützenbrüder.
Allein August Kuhlmann hat sie 25 Jahre lang getragen.
1971 hatte die alte Fahne ausgedient. Der Verein schaffte eine neue an und gab der alten einen Ehrenplatz hinter Glas
im Schützenhaus. Sie zeigte auf der einen Seite auf grünem Grund als Emblem einen fliegenden Adler über einer Ringscheibe
und die Inschrift: Schützengesellschaft Hermannsburg und Umg. e.V. und die Jahreszahl 1927.
Auf der anderen Seite sind auf beigem Grund zwei verschlungene Hände zu sehen, eine schwarz-weiß-rote Schleife mit Eichenblättern
und die Inschrift: In Treue fest in schwerer Zeit!
Der vorhin erwähnte Major von der Gröben stand später noch oft vor der Front der Schützen. Von 1935 bis 1949 war er
Vereinsvorsitzender. Er war mit der Familie von Reden in Oldendorf verwandt, kam als entlassener Offizier aus dem 1. Weltkrieg
nach Hermannsburg und wohnte hier zuerst in der Villa Celler Straße 45. Er gehörte schon bald zum erweiterten Vorstand und
war sicher der "militärische Berater" des Schützengesellschaft und zuständig für Fragen der Uniformierung und des Zeremoniells.

Die Fahnengruppe und der Vorstand waren damals schon einheitlich gekleidet. Ab Februar 1928 trugen sie sogar Achselschnüre.
Bei den anderen Schützen ging das langsamer, obwohl man natürlich bestrebt war, die Zugehörigkeit zum Schützenverein auch
äußerlich zu dokumentieren.
Die ersten Utensilien der Schützenkleidung waren Hut und Abzeichen, die "Herrenausstatter" Babatz lieferte. Erst 1924 wurde
auf einer Versammlung darüber gesprochen, ob man nicht einheitliche Joppen anschaffen sollte. Und Schneidermeister Kruse
bot Schützenröcke zum Preise von 28 und 38 Mark an – auch auf Abzahlung!

So zeigen denn auch die ersten Gruppenaufnahmen des Vereins die Herren teils in jagdlicher Kleidung, teils im Sonntagsanzug
mit Vatermörderkragen und Fliege, mit Weste und Uhrkette.
Aber es gibt auch andere Bilder, wie zum Beispiel das historische Foto von 1927. Da stehen wohl 60 Schützen vor Völkers Hotel
angetreten in Reih und Glied, fast alle mit schwarzen Hosen und Schützenröcken und -hut. Zumindest die Schützen im ersten
Glied haben das Holzgewehr präsentiert, der Oberschützenmeister hat den Degen gesenkt, die Kapelle spielt, man hört förmlich
den Präsentiermarsch und kann sicher sein: hier führt ein alter Offizier das Kommando!
Schießauszeichnungen und Schützenschnüre wurden wie selbstverständlich auch an der zivilen Kleidung getragen.
Sie wurden – so hatte es sich langsam eingebürgert – nach Ankunft des Ausmarsches am Sonntag in Misselhorn verliehen.
Die ausgiebige Berichterstattung über Spaß und Freude bei Schützenfesten sollte uns nicht vergessen lassen, daß diese Feste
zwar Höhepunkte im Schützenjahr waren, aber doch das sportliche Schießen immer im Mittelpunkt der Vereinsarbeit stand.
In der Tat trainierten die Hermannsburger Schützen regelmäßig und eifrig. Es wurden häufig Preisschießen veranstaltet.
1921 war mal ein lebender Hammel der Hauptpreis, später häufig ein Fahrrad. Mindestens 6 mal im Jahr mußte jedes Mitglied
beim Übungsschießen mitmachen. Das wurde in ein Schießbuch eingetragen. Als Anreiz für gute Leistungen gab es silberne Löffel.
Schon frühzeitig nahmen Hermannsburger Schützen an überregionalen Wettkämpfen teil. So konnte man im Berger Boten im
September 1927 lesen: Bei dem Schießen in Hannover konnte der Hermannsburger Schützenverein ruhmbedeckt den Heimweg antreten,
und zwar errang Schützenbruder Albert Ehlers trotz größter Konkurrenz den zweiten Preis, während Schützenbruder
Heinrich Möller den sechsten Preis erringen konnte. Den wackeren Schützen ein kräftiges "Gut Schuß"!
Leider ist nicht ersichtlich, was für ein Schießen das war.
Einmal im Jahr wurde das Schießen für Schützenschnüre und Eicheln durchgeführt. Diese Auszeichnungen waren beliebt,
erforderten aber eine gewisse Vielseitigkeit. Geschossen wurde mit Kleinkaliber auf 50m in den Anschlagsarten liegend,
kniend und stehend.
Schnüre und Eicheln konnten nur in bestimmter Reihenfolge erworben werden: erst die grüne Schnur, dann erste, zweite und
dritte grüne Eichel, dann die silberne Schnur mit erster, zweiter und dritter silberner Eichel usw. Die Bedingungen
änderten sich im Lauf der Zeit. Meistens galt eine bestimmte Mindestringzahl als Qualifikation. Dann wurden je nach
Beteiligung an die zwei oder drei Besten Schnüre, bzw. Eicheln verliehen.
Über diese Schießauszeichnungen informierte sogar regelmäßig die Cellesche Zeitung in den Berichten über das Hermannsburger
Schützenfest mit Namensnennung und Ringzahl.
Aber auch über das Preisschießen wurde eingehend berichtet. Zum Beispiel werden 1932 in der CZ die 20 besten Schützen
des Volkspreisschießens namentlich mit Ringzahl genannt. Das liest sich dann so:

1. Oberfeldwebel Krahlmann aus Munster 55 Ring

2. Unteroffizier Trebing, Munster 54 Ring

3. H. Behrens, Dohnsen 53 Ring

4. Theo Babatz, Hermannsburg 53 Ring

5. Heinrich Scheller, Hermannsburg 53 Ring

6. August Meyer, Weesen 53 Ring usw. bis endlich

0. Otto Siekmann, Hermannsburg 48 Ring

Weiter wörtlich: Herr Major von der Gröben nahm die Verteilung vor. Der erste Preis war ein Ballon- Herrenfahrrad,
für den Einsatz von 1,30 Mark errungen, denn der Schütze hat nur einen Satz geschossen. Ein dreifaches Horrido bekamen
die 3 besten Schützen. Der Gewinner des ersten Preises mußte im Saal eine Ehrenrunde fahren. Der Betrieb im Saal war
beinahe beängstigend, es war nicht Platz genug, so groß war der Andrang. Unter allgemeine Fröhlichkeit nahm der erste
Schützenfesttag sein Ende.
Wer beim Jahresschießen (Schnur und Eichel) oder beim Preisschießen auf die Siegerlisten kommen wollte, der mußte schon
schießen können. Beim Königsschießen aber brauchte der Schütze – damals wie heute – außer dem Können noch das berühmte
Quentchen Glück.
Die Hermannsburger haben die Königswürde von Anfang an ehrlich ausgeschossen und nicht etwa "ausgeguckt", wie das wohl hier
und da üblich gewesen sein soll. Wer den besten Schuß auf der Scheibe hatte, war König. Es gab einen Probeschuß, der angezeigt wurde.
Es sollte auch jeder Schützenbruder ohne Rücksicht auf seine finanzielle Lage die Chance haben, ein Jahr lang als König den
Verein zu repräsentieren, im Mittelpunkt zu stehen und auch mal "einen auszugeben".
So wurde schon im Herbst 1924 eine Schützenkönigsversicherung eingeführt. Jedes Mitglied zahlte 3 Mark im Jahr. Dieses Geld
sollte für Frühstück und Kinderbelustigung ausgegeben werden. Darüber hinaus bekam der König etwa ab 1929 noch 150 Mark
als Handgeld zu seiner persönlichen Verfügung, also sozusagen als Aufwandsentschädigung, die er möglichst "zum Besten der
Vereinsmitglieder verwenden soll".
Was darunter zu verstehen war, wurde 1935 präzisiert: Der König stellt das Katerfrühstück und die Getränke beim Anbringen
der Königsscheibe an seinem Haus. Es gab noch ein Ereignis, bei dem der König im Mittelpunkt stand: das Wintervergnügen.
Das war aber eine vereinsinterne Angelegenheit.
Das erste Wintervergnügen fand im November 1922 bei Schützenbruder Heinrich Thies im Hotel Heidehof statt. Es begann
um 7 Uhr abends. Bis zur Kaffeetafel um Mitternacht wurde "nach einer aushängenden Tanzordnung" getanzt. Vermutlich waren
das Ehren- und Pflichttänze. Anschließend dürfen wir wohl einen lockeren inoffiziellen Teil vermuten.

Das Wintervergnügen 1925 begann zum Beispiel mit einem gemeinsamen Essen. Es gab Suppe, Schweine- und Kalbsbraten und
Kompott für 3,50 Mark! Eine 2- Mann- Kapelle machte Musik, die Kosten teilten sich der Verein und der Wirt, es war wieder
Heinrich Thies.

So ist immer wieder vom Geld die Rede. Es wurde schon erwähnt, daß die Schützenfeste auch eine Einnahmequelle der Vereins
waren und deshalb an die meistbietenden Gastwirte verpachtet wurden.
1930 richtete Heinrich Penzhorn das Fest aus, bezahlte alle Steuern und Abgaben und gab den Schützen samt ihren Damen
ein Gratisfrühstück. Diesmal bezahlte der Verein die Musik, zog aber die Tanzgelder ein und das Platzgeld für die Buden
und Karussells. Nur die Würstchenbude blieb dem Wirt.
Im Laufe der Jahre entwickelte sich nämlich auf dem Misselhorner Hof ein richtiger Rummelplatz. In den Zeitungsberichten
ist die Rede von Kuchenbude, Spielwarenstand, Kettenkarussell, Eiswagen, "Haut den Lukas", auch mal einer Berg- und
Talbahn, einem Pferdekarussell, einer Schießbude.
Anscheinend waren dann beide Seiten – Wirt und Verein – mit dieser Regelung so zufrieden, daß die Schützen im Mai 1931
die nächsten 10 Schützenfeste an Heinrich Penzhorn verpachteten! Gegen eine einmalige Zahlung von 1.000,- RM!
Die Bedingungen waren im Wesentlichen die des Schützenfestes von 1930, das Platzgeld von den Schaustellern bekam jetzt
aber der Wirt, dafür trug er die Kosten für Verpflegung und Übernachtung der Musik. Der Verein verpflichtete sich,
die Mehrkosten zu tragen, wenn die Verlängerung der Polizeistunde 40 Mark übersteigen sollte. Man konnte ja nie wissen ...!

Das Studium der Finanzlage des Vereins in jener Zeit weckt den Verdacht, daß nicht allein die Bequemlichkeit ausschlaggebend
war, als man die Schützenfeste für 10 Jahre im Voraus vergab. Die 1.000,- RM wurden dringend gebraucht!
Anfang 1929 hatte der Verein über 2.300,- RM Bankschulden. Eine Menge Geld, wenn man bedenkt, daß die Schützenfeste
durchschnittlich nur 100 bis 200 Mark Überschuß in die Vereinskasse brachten. Man wollte diese Schuld durch eine Umlage
in Höhe von 30 Mark pro Mitglied abdecken. Es müssen demnach 80 bis 100 Mitglieder gewesen sein.
Diese Schulden resultierten wohl nicht allein aus dem Bau des Schießstandes und dem laufenden Schießbetrieb, sondern auch
aus erheblichen Beitragsrückständen und einer schlechten Zahlungsmoral der Schützenbrüder! Es muß leider gesagt werden:
in fast jeder Versammlung wurde Klage geführt über die Rückstände bei den Beiträgen, Königsgeld oder Umlagen. Mal wurde
den säumigen Zahlern eine letzte Frist gesetzt, dann wieder eine allerletzte, mal sollten die Gelder durch einen
Kassierer abgeholt werden, dem dabei ein "Hebegroschen" zustand. Mal wurde den Restanten mit dem Ausschluß aus dem
Verein gedroht, mal durfte der säumige Schützenbruder nicht am Königsschießen teilnehmen, mal sollte sein Name
auf der Generalversammlung bekanntgemacht werden.
Im Jahre 1931 wurde beispielsweise beschlossen, die rückständigen Beiträge aus 1928 und 1929 (!!) durch Zahlungsbefehl
einzutreiben. Es muß schlimm gewesen sein. Was die geplante Umlage betrifft, so sollte es jedem Schützenbruder freigestellt sein,
die 30 Mark sofort zu zahlen und dann nur noch einen formalen Beitrag von 1,- RM pro Jahr oder aber die vollen
11,- RM Beitrag solange weiterzuzahlen, bis die Bankschulden nebst Zinsen beglichen waren. Das Königsgeld
von 3,- RM wurde davon allerdings nicht berührt.

Die Schützengesellschaft im Dritten Reich

1933 übernahmen die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland.
Die Auswirkungen der "neuen Zeit" wurden auch bald im Vereinsleben der Schützengesellschaft spürbar.
Grundsätzlich erfreuten sich alle Vereine, die Sport und körperliche Ertüchtigung betrieben, des Wohlwollens der
braunen Machthaber. Und ganz besonders die Schützenvereine, die Wehrhaftigkeit und Heimattreue auf ihre Fahnen
geschrieben hatten. Aber sie mußten sich einordnen und gleichschalten lassen.
Die Eigenständigkeit ging nach und nach verloren. Dem Sprachgebrauch der Zeit entsprechend hieß es jetzt in den
Protokollen Kamerad statt Schützenbruder, und der 1. Vorsitzende hieß Vereinsführer.
Es kamen Befehle "von oben". Die Schützen mußten zur Saarfeier und anderen nationalen Gedenktagen antreten. Statt
des Preisschießens wurde ein "Opferschießen" zugunsten des WHW (Winterhilfswerk) durchgeführt. Die Preise dafür wurden
von den Geschäftsleuten "gestiftet". Eine Anordnung besagte: Der Ertrag ist vollständig abzuführen.
Mindestens 51% der Schießübungen mußten jetzt mit der Wehrmannsbüchse geschossen werden. So wurde aus dem sportlichen
Schießen eine vormilitärische Ausbildung.

Auch hatte der Verein nicht mehr allein das Sagen im Schießstand. Sicher waren auch früher schon befreundete
schießsporttreibende Vereine Gäste auf dem Stand gewesen, aber jetzt wurde Pflichtschießen für die SA und die SS befohlen.
Beim WHW- Schießen übernahm die SA die Regie, später eine eigene WHW- Ortsgruppe.
Die Eintrittspreise beim Schützenfest waren jetzt wie folgt unterteilt:

Herren 1,50 Mark


Damen 1,- Mark


Arbeitsdienst, SA, SS, Wehrmacht in Uniform 1,- Mark
1937 mußte der Verein dem Reichsschützenverband beitreten und alle Schützen als Vollmitglieder melden, die am
Schützenschnurschießen teilnehmen. 1939 mußte der Verein auch geschlossen dem Reichsbund für Leibesübungen beitreten.
Die Versammlungen endeten mit dem üblichen Sieg- Heil- Rufen, und beim Schützenfest wurde nach dem Deutschlandlied noch
das Horst- Wessel- Lied gesungen.
Trotz allem: die Schützenfeste waren jetzt wirkliche Volksfeste! Man amüsierte sich, wo man konnte!
Nach wie vor begann ein Schützenfest am frühen Nachmittag des Sonntags mit dem Ausmarsch nach Misselhorn. Antreten war
vor Völkers Hotel, welches 1934 offiziell zum Vereinslokal bestimmt wurde. Dort sollten in Zukunft alle Versammlungen
stattfinden. Die einzelnen Ausschüsse aber hielten ihre Sitzungen wechselnd in den anderen Gaststätten ab, bei Kuhlmann
oder Gebers, in der Bahnhofsgaststätte oder im Hotel Heidehof.
Wie alte Bilder zeigen, standen die Schützen in Reih und Glied mit den geschulterten Holzgewehren, bereit zur Abnahme
der Front durch den Oberschützenmeister und den König.
In Misselhorn fand dann das Volkspreisschießen statt. Ab 1934 war es ein echtes Volksschießen, an dem die Schützenbrüder
nicht teilnehmen durften. Zu Recht war bemängelt worden, daß die geübten Schützen den Zivilisten die besten Preise vor
der Nase wegschossen. Diese Trennung zwischen Vereins- und Volkspreisschießen ist seitdem beibehalten worden.
Die Besucher, jetzt Volksgenossen genannt, amüsierten sich derweilen auf dem Rummelplatz oder beim Tanz im Saal, wo dann
auch am Abend die Preisverteilung war.

Der zweite Tag des Schützenfestes, der Montag, ist seit jeher der Tag der Schützen gewesen. Zum Katerfrühstück beim alten
König gab es sauren Hering und Brötchen, später wohl auch mal Mett und Wurst. So gestärkt zogen die Schützen nach
Misselhorn zum Königsschießen und zum Festessen mit Damen und Gästen.
Der neue König wurde von einer Abordnung des Vereins mit Musik nach Hause gebracht. Das Scheibenannageln wurde zu
einem improvisierten Straßenfest für Freunde und Nachbarn. Da feierte wirklich eine große Familie, in der jeder jeden kannte.
Von dieser Familie ist folgendes überliefert: Als der ganze Verein einmal bei einem Schützenkönig anrückte, um die Scheibe
anzunageln, löste dieses Ereignis bei dessen Frau nur Schreck und Trauer aus. Sie hatte nämlich kein Ballkleid für die
zu erwartenden Festlichkeiten und Tanzvergnügen, bei denen sie mit ihrem Mann im Mittelpunkt stehen sollte.
Da nahm Theo Babatz sie mit in seinen Laden, zeigte ihr die Kleiderständer und sagte nur: "Such Dir eins aus!"
In Misselhorn selbst war dann das Preisschießen für die Mitglieder der Schützengesellschaft, Tanz und Stimmung bis
in die Nacht. Die Polonäse ging aus dem Saal raus über den Hof, durch die Scheune und durch die Küche wieder rein.
Besonderer Beliebtheit erfreute sich bei den Tänzen "der Bunte".
Wer nun meint, das sei genug gewesen des Vergnügens, der irrt. Am Sonntag nach dem Schützenfest war Nachfeier!
Mit Preisschießen und Tanz in Misselhorn *wieder unter großer Beteiligung der Hermannsburger.

Im Programm des Schützenfestes 1937 wird zum ersten Mal die Fliegerhorstkapelle Faßberg erwähnt.
Sie führte den Schützenumzug an, spielte abends zum Tanz auf und konzertierte während des Festessens am Montag.
Auch bei der Nachfeier war sie dabei, bestritt also komplett den musikalischen Teil dieses und der folgenden
Schützenfeste.
Die Musiker waren aber nicht die einzigen aus Faßberg. Es kamen auch junge Leutnants von der neuen Luftwaffe
in schicker Ausgehuniform und mit weißen Glace- Handschuhen, die sie auch beim Tanzen anbehielten! Es dauerte
nicht lange, da stieg die Nachfrage nach weißen Glace- Handschuhen im Laden von Hut- Peters stark an. Und die Käufer
#waren jüngere Schützenbrüder!
Über die letzten Schützenfeste vor dem Krieg berichteten ganz besonders ausführlich und geradezu begeistert zwei Blätter:
die Heiderundschau, eine Sonnabendsbeilage der Celleschen Zeitung für den nördlichen Landkreis und Der Bote aus dem
ehemaligen Amte Bergen, vereinigt mit Hermannsburger Zeitung, die in Bergen erschien.
Nicht nur über die Schützenfeste berichteten diese Zeitungen, sondern auch über Vereinsversammlungen, Preisschießen usw.
Im Jahre 1938 wurde zum ersten Mal ein Kinderschützenfest veranstaltet und dazu der Sonnabend mit in das Programm genommen.
Der Verein bildete einen Ausschuß für die Kinderbelustigung, der sich allerhand einfallen ließ, um Jungen und Mädchen
bis zum 14. Lebensjahr zu beschäftigen.
Die Jungen hatten blumengeschmückte Holzgewehre und die Mädchen Blumenbogen, als sie sich vor Völkers Hotel versammelten,
um von der Fliegerhorstkapelle Faßberg nach Misselhorn geführt zu werden. Während die größeren Jungen auf dem
KK- Stand einen Kinderschützenkönig ausschossen, machten die Mädchen Ballwerfen, Eierlaufen, Sackhüpfen und andere Spiele.
Peter Hiestermann war der erste Kinderkönig. Im Kaffeehaus war Kindertanz und Preisverteilung, wobei jedes Kind
etwas bekam. Mit einem Lampion- und Fackelzug ging es beim Dunkelwerden wieder zurück ins Dorf.

1939 wurde in Hermannsburg das letzte Schützenfest gefeiert. Mit Beginn des Krieges lichteten sich die Reihen der
Schützenbrüder durch Einberufung zum Wehrdienst. Das Vereinsleben schlief langsam ein.
Das letzte Protokoll einer Schützenversammlung ist vom 23. Juni 1940.
Oberschützenmeister Major a.D. von der Gröben wies in einer Ansprache auf die geschichtlich große Zeit hin,
in der man lebte, und die Schützen erhoben sich zur Gefallenenehrung.
Es wurde noch beschlossen, am 21. Juli 1940 einen "Kriegskönig" auszuschießen. Es ist unklar, ob es dazu noch gekommen ist.
Die Folgeseite ist aus dem dicken Protokollbuch herausgerissen worden.
Das nächste Protokoll datiert vom 23. Juli 1949 und ist überschrieben:

Nach einer Pause von 8 Jahren
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